Selbstwertproblematik

Allgemeines & Definition

"Subjektives Gefühl der Hässlichkeit oder der körperlichen Missgestaltung trotz normalen Aussehens, wobei der Betroffene glaubt, von anderen in gleicher Weise wahrgenommen zu werden". So lautete schon vor über 100 Jahren die Beschreibung der körperdysmorphen Störung, der vermeintlichen Entstellung von Nase, Mund, Wangen, Kinn, Lippen, Zunge, Zähnen, Kiefer, Ohren, Haaren, aber auch von Händen, Beinen, Genitalien, Gesäß, Bauch, Schultern, Hüften etc..

Das hat nichts damit zu tun, dass sich der eine oder andere nicht gerade als makellos oder gar schön empfindet. Wer kann das schon von sich behaupten. Betroffene mit einem "Entstellungssyndrom" aber machen sich durch ihren - meist vermeintlichen - Mangel nicht nur unglücklich, sie ruinieren ihr ganzes Leben (Partnerschaft, Familie, Freundeskreis, Beruf, gesellschaftliche Stellung, ggf. Finanzen). Denn sie geben keine Ruhe, bis der Makel "behoben" ist, bis hin zur Operation.

Wenn es sich aber um ein psychologisches Problem gehandelt hat, bei dem nur unbewusst ein körperliches Defizit vorgeschoben wurde, das die anderen gar nicht so negativ beurteilen, dann wird keine noch so perfekte äußere Korrektur eine Lösung bringen - zumindest nicht auf Dauer.

Das können nur Psychologen. Aber die werden gemieden, denn diese Betroffenen fühlen sich nur "körperlich beeinträchtigt" (was sie in Wirklichkeit nicht sind), nicht seelisch behandlungsbedürftig (was aber zumeist zutrifft). Die Lösung läge auf der Hand - wenn sie genutzt würde.

Definition

Exzessive Beschäftigung mit einem vermuteten Mangel oder einer Entstellung im körperlichen Aussehen. Dieser Mangel ist entweder eingebildet oder - wenn tatsächlich eine leichte körperliche Anomalie vorliegt - ist die Sorge der betroffenen Person deutlich übertrieben. Vor allem führt diese krankhafte Einstellung zu nachhaltigen sozialen, beruflichen und sonstigen Beeinträchtigung

Symptomatik

Die Betroffenen erleben sich als hässlich, abstoßend, lächerlich, obgleich sie meist unauffällig aussehen. Oder sie empfinden leichte körperliche (eigentlich markante) Veränderungen als Anomalität. Davon sind sie schier unbeirrbar überzeugt. Die Vorstellung der Hässlichkeit bezieht sich auf alle möglichen Aspekte, vor allem aber das Gesicht.

Die exzessive Beschäftigung kann entweder einen oder mehrere Körperteile gleichzeitig oder hintereinander betreffen. Obgleich die "Beschwerden" häufig sehr speziell sind (z.B. Augen, Lippen, Nase, Ohren), können sie auch sehr vage oder zumindest unscharf vorgebracht werden ("komisches" oder "abfallendes" Gesicht bzw. "unpassende" Augenstellung).

Die häufigsten Klagen bei einer körperdysmorphen Störung beziehen sich auf eingebildete und leichte "Schönheitsfehler" von

  • Kopf und Gesicht
    Akne, Falten, Narben, Gefäßzeichnungen, Blässe oder Rötung der Haut, Schwellungen, Gesichtsasymmetrien, Gesichtsbehaarung, Augen, Augenlider, Augenbrauen, Ohren, Mund, Lippen, Zähne, Kiefer, Kinn, Wangen, Nase, ferner Haarwuchs, besonders Bartwuchs, übrige Körperbehaarung sowie Schweiß- und Errötungsneigung etc.
  • Übriger Körperbereich
    Größe und Gewicht generell, Figur, Hände, Arme, Beine, Füße, Brustkorb, Brüste, Hüften, Schultern, Rücken, Genitalien, Fettpolsterverteilung u.a.

Im Verlaufe der körperdysmorphen Störung findet man noch folgende Beeinträchtigungen:

  • Tiefgehende Minderwertigkeitsgefühle
  • Narzisstische ("selbstverliebte") Überschätzung der eigenen Person
  • übertriebene Selbstbeobachtung
  • Übersteigerte Normvorstellungen
  • idealisierter Schönheitsbegriff
  • Sensitivität mit depressiver Neigung
  • überzogene Introversions-Neigung ("Innenschau")
  • krankhafte Scheu
  • Kommunikationsschwäche
  • Beziehungsstörungen

Die meisten Betroffenen einer körperdysmorphen Störung leiden erheblich unter ihrer vermeintlichen Deformierung, auch wenn sie nicht darüber sprechen. Die Art, wie ihr Leid (ein Leiden an sich liegt ja nicht vor) vorgebracht wird, variiert zwischen der etwas beschönigenden "Besorgnis" um diese scheinbaren Körperdefizite bis zu heftigen Klagen über "äußerst schmerzlich", "quälend" oder gar "vernichtend".

Nicht wenige Betroffene überprüfen sich ständig im Spiegel oder in anderen reflektierenden Oberflächen (z. B. Schaufenster, Autolack), was Stunden in Anspruch nehmen kann, auch wenn es mitunter geschickt überspielt wird. Einige verwenden sogar bestimmte Beleuchtungstechniken oder Vergrößerungsgläser, um ihre "Entstellung" genauer zu prüfen. Andere wiederum vermeiden alles, was sie mit ihrem Aussehen konfrontiert, verdecken oder entfernen beispielsweise alle Spiegel. Wieder andere überprüfen nicht nur ständig ihr Äußeres, sondern pflegen sich in geradezu extremer Weise, z. B. exzessives Haare kämmen, ritualisiertes Auftragen von Make-up oder dauerndes Zupfen, Drücken und Massieren der Haut etc.

Das Schlimmste aber ist nach Ansicht der Betroffenen, dass immer mehr Mitmenschen auf den vermeintlichen Schönheitsfehler aufmerksam werden, sich darüber unterhalten oder lustig zu machen scheinen. Einige Betroffene versuchen deshalb diesen Mangel zu überdecken, lassen sich z. B. einen Bart wachsen, tragen Kopftuch, Hut oder Schal, stopfen ihre Kleider aus etc.

Im Extremzustand bezieht sich die übermäßige Sorge nicht nur auf den Schönheitsfehler, sondern auch auf eine vermutete Funktionsstörung, beispielsweise extrem lichtempfindlich, verwundbar, zerbrechlich, beschädigt oder verletzt zu werden, ständig in Gefahr zu sein etc.

Folgen und Verlauf

Folgen

Nicht wenige der Betroffenen litten schon vor Ausbruch ihrer Erkrankung unter Selbstunsicherheit, Minderwertigkeits- und Schamgefühlen, insbesondere sexuellen Hemmungen, Angstzuständen, reizbaren oder aggressiven Verstimmungen (gegen andere, aber auch gegen sich selber). Später bremsen die krankhafte Selbstbeobachtung und die Furcht vor der Beurteilung durch andere alle Aktivitäten aus, von extremen Reaktionen ganz zu schweigen (Rückzug, nur noch nachts ausgehen, Isolationsgefahr, totale Vereinsamung).

Unter diesem Aspekt können bereits Schul- und später Berufsausbildungen vorzeitig abgebrochen, Vorstellungsgespräche vermieden, Arbeitsstellen nicht angenommen werden und wenn, dann unterhalb ihres Leistungsniveaus. Einige arbeiten am Ende ihrer Leidens-Karriere überhaupt nicht (mehr).

Die meisten haben auch nur wenige Freunde und verlieren diese vielleicht noch, weil sie Verabredungen vermeiden und soziale Begegnungen scheuen. Bei wieder anderen zerbrechen die Partnerschaften und Ehen, nachdem bereits zuvor so manche Freundschaften ein unnötiges vorzeitiges Ende fanden.

Wieder andere werden krankheitsanfällig, müssen häufiger auch wegen anderer Leiden behandelt werden, kommen ggf. öfter in Krankenhausbehandlung, gefährden dadurch ihre sozialen und beruflichen Chancen - und steigen gesellschaftlich langsam, aber kontinuierlich ab.

Verlauf

Eine körperdysmorphe Störung beginnt üblicherweise im frühen Erwachsenenalter (auch wenn sie in der Regel erst nach Jahren diagnostiziert wird - falls überhaupt) und kann sich kontinuierlich aufbauen (bzw. verschlechtern) oder abrupt, also plötzlich auftreten. Meist nimmt sie einen kontinuierlichen Verlauf, in der Regel zum Schlechteren (da die psychosozialen Konsequenzen die Gesamtsituation immer belastender ausfallen lassen). Oftmals gibt es nicht einmal kurzfristige Phasen der Beruhigung (Fachbegriff: symptomfreie Intervalle), obwohl die Intensität und sogar Zahl der Symptome wechseln, also ab- und zunehmen kann.

Auch der Körperteil, auf den sich die exzessiven Sorgen beziehen, kann entweder der Gleiche bleiben oder wechseln.

Ohne psychologischer Hilfe droht aber oft eine so genannte Chronifizierungsgefahr, d.h. der Betroffene bleibt ein Gefangener seiner krankhaften Entstellungs-Befürchtungen - lebenslang.

Beratung & Behandlung

In der psychotherpeutischen Behandlung können folgende Behandlungsformen im Einverständnis mit dem Patienten zur Anwendung kommen:

  • Entspannungsvefahren, wie z.B. progressive Muskelentspannung / Relaxation - PMR (nach Jacobsen), Focusing, Trancearbeit, etc.
  • Kognitive Therapie
  • Tiefenpsychologische Verfahren
  • Soziotherapie
  • Biologische Behandlung = durch Arzt Ihrer Wahl

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